Mit Kunst Aktien das Portfolio schmücken

Auf der Suche nach alternativen Anlageformen ziehen Kunst-Investments immer mehr Anleger an. Wem die nötige Expertise in diesem Metier fehlt, für den könnten Kunst-Aktien die richtige Wahl sein.

Marie-Astrid Langer

Der heute 81-jährige Künstler Gerhard Richter hat sich sicherlich gefreut: Im Herbst vergangenen Jahres wurde eines seiner Gemälde aus dem Besitz von Eric Clapton an einer Kunstauktion für 26 Mio. € (etwa 32 Mio. Fr.) versteigert; der anonyme Käufer zahlte damit das Zehnfache dessen, was Clapton seinerseits zehn Jahre zuvor für das Bild gezahlt hatte. Es sind Beispiele wie diese, die Anleger in den Kunstmarkt treiben, gerade in Zeiten niedriger Renditen an den Finanzmärkten. Doch solche Blue Chips, wie man auch im Kunstmarkt umsatzstarke Akteure wie Richter nennt, gibt es nur sehr selten, besonders in der zeitgenössischen Kunst.

Fonds-Anbieter steigen ein

Experten sind sich einig, dass es in diesem Metier einer grossen Expertise bedarf, um Chancen auf ein Schnäppchen und damit auf eine attraktive Rendite zu haben. Zudem gibt es bei Künstlern keine harten Indikatoren wie bei Wirtschaftsbetrieben, anhand deren sich analysieren liesse, welcher bisher unentdeckte Akteur der nächste Blue Chip werden könnte.

Wer trotz fehlendem Fachwissen in Kunst investieren möchte, für den könnten Aktienengagements interessant sein; nämlich Papiere von Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf dem Verkauf von Gemälden, Fotografien oder Antiquitäten basiert. Weltweit gibt es aber nur gut ein Dutzend solcher Firmen, die im Kunstgewerbe aktiv und kotiert sind. Experten führen dies auf die mit einem Börsengang einhergehenden Offenlegungspflichten zurück.

Das amerikanische Auktionshaus Sotheby's ist mit einer Marktkapitalisierung von 3,2 Mrd. $ das mit Abstand grösste börsenkotierte Kunsthaus der Welt. In diesem Jahr hat es eine Kurssteigerung von rund 40% erlebt. Diese dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass jüngst vier grosse Investoren, darunter die Fondsgesellschaften Blackrock und Vanguard, bei Sotheby's eingestiegen sind und nun gemeinsam fast einen Viertel aller Anteile halten. Gemäss Experten wollen sie als Aktionäre eine Verbreiterung des Geschäftsmodells erwirken. Im internationalen Vergleich haben sich auch die Aktien anderer Auktionshäuser seit Jahresbeginn verteuert, etwa die der japanischen Shinwa Art Auction um 80%.

Einer der wenigen Kunsthändler, die den Börsengang gewagt haben, ist Weng Fine Art (WFA) aus dem deutschen Krefeld. Seit dem IPO 2012 hat sich der Aktienkurs fast verfünffacht (siehe Grafik). Zu 90% sind die Investoren Privatpersonen, wie der Firmengründer Rüdiger Weng aufgrund der Namensaktien weiss. Viele Anleger hätten zwar grundsätzlich Interesse am Kunstmarkt, scheuten sich aber vor den hohen Versicherungs-, Transport- und Lagerkosten, die entstünden, würden sie direkt in Kunst anlegen.

Hohe Kursschwankungen

Eine Alternative stellen die Geschäftsmodelle von notierten Unternehmen dar, die Datenbanken im Kunstsektor betreiben. Die deutsche Firma Artnet ist ein Informationsdienst für Galerien und Händler, wo diese Details zu Künstlern, Gemälden usw. finden. Die Anleger scheinen jedoch nicht überzeugt zu sein, dass das Geschäftsmodell aufgehen wird, der Aktienkurs befindet sich seit mehr als einem Jahr im Sinkflug, und die Marktkapitalisierung beträgt gerade noch gut 12 Mio. €.

Ein etwas anderes Geschäftsmodell verfolgt die Website Artprice: Die französische Firma führt eine Datenbank mit den Preisen, die in mehr als 40 Ländern an Kunstauktionen gezahlt wurden. Der Aktienkurs ist jedoch sehr volatil – ein Problem, mit dem Kunst-Aktien häufig behaftet sind; auch die Performance der Papiere des koreanischen Auktionshauses Seoul Auction oder des polnischen Pendants Abbey House schwankt sehr stark.

Einen Vorteil haben Kunst-Aktien im Vergleich zu Kunstwerken auf jeden Fall: Sie lassen sich an den Börsen jederzeit verkaufen – um ein Bild wieder loszuwerden, muss man mitunter lange nach einem Käufer suchen.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung 

 
 
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